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Bedeutungsrelationen

Wenn wir versuchen, anderen die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks zu erklären, stehen wir meistens vor einem Problem. Oft werden Floskeln wie "Das ist das Gegenteil von..." oder "Das ist im Prinzip das Gleiche, wie.." verwendet. Man vergleicht also mit anderen bekannteren Begriffen. Dem liegt zugrunde, dass es unterschiedliche Beziehungen zwischen sprachlichen Ausdrücken geben kann. Diese werden als Bedeutungsrelationen oder auch semantische Relationen bezeichnet. Im Folgenden wird eine Auswahl der bekanntesten Relationen näher beschrieben und an ausgewählten Beispielen verdeutlicht.

Synonymie

Zwei Begriffe sind dann synonym, wenn beide die gleiche Bedeutung haben. Allerdings wird hier zwischen zwei Formen der Synonymie unterschieden.
Die erste Form wird totale Synonymie genannt. Sie erstreckt sich auf alle Bedeutungsebenen. Man kann also sagen, dass sie exakt das Gleiche bedeuten. Es gibt nicht allzu viele Wörter dieser Rubrik. Beispiele wären hier anfangen -beginnen oder Samstag-Sonnabend. Auch Abkürzungen wie AKW-Atomkraftwerk werden zu der totalen Synonymie gezählt.
Die zweite Unterkategorie wird partielle Synonymie genannt. Partielle Synonyme teilen sich mehrere Bedeutungsvarianten, können aber in ihrer Bedeutung leicht voneinander abweichen, sodass sie nicht in allen Kontexten austauschbar sind. Beispiele sind hier Platte-Schallplatte oder Ei-Hühnerei.

Hyponymie

Die Beziehung zwischen einen Oberbegriff und einem dazu passenden Unterbegriff wird Hyponymie genannt. Sie basiert also auf einer Begriffshierarchie. Die Bedeutung des Unterbegriffs, welcher Hyponym genannt wird, ist demnach etwas spezifischer, als die des umfassenderen Oberbegriffs, der in der Linguistik als Hyperonym bezeichnet wird. Viele Beispiele haben das Muster Unterart-Gattung. So ist z.B. Hund das Hyponym zum Heteronym Tier. Es zählen natürlich auch Komposita wie Fahrradklingel-Klingel dazu.

Antonymie

Antonymie ist eine bestimmte Form der Opposition, also eines Gegensatzes. Antonyme Begriffe stellen die Extrema auf einer Skala von Möglichkeiten dar. Allerdings besitzt diese Skala einen Neutralbereich. Am besten wird dies an einem Beispiel deutlich. Die Begriffe schwer und leicht stellen entgegengesetzte Möglichkeiten dar. Man kann sie auf einer Skala des Gewichts einordnen. Zusätzlich lässt sich ein neutraler Bereich zwischen diesen beiden Begriffen finden, in diesem Fall also normales Durchschnittsgewicht.

Direktionale Opposition

Ein wenig spezifischer als die Antonymie ist die direktionale Opposition. Auch hier kann man sich zur Verdeutlichung wieder eine Achse vorstellen, an deren Enden die Begriffe stehen. Zum einen lässt sich die direktionale Opposition räumlich verstehen. Man stelle sich ein Koordinatensystem vor, dessen Ursprung man selbst ist. So ergeben sich oppositionelle Begriffe, wie rechts-links oder oben-unten Zum anderen lässt sie sich auch auf die Zeit anwenden. (vor-nach, gestern-morgen). Gleiches gilt auch für Verben mit einer direktionalen oder zeitlichen Komponente.

Semantische Komplementarität

Mit der semantischen Komplemenarität sind zwei sich gegenseitig ausschließende Ausdrücke gemeint, welche sich auf den gleichen Objektbereich beziehen. Sie decken diesen Bereich komplett ab und unterscheiden sich lediglich in einem Entweder-Oder-Merkmal . So sind in einem eingegrenzten Bereich nur zwei Möglichkeiten denkbar. Das wird dir am besten an verschiedenen Beispielen deutlich. So gibt es für das Geschwisterteil eines Elternteils nur zwei mögliche Begrifflichkeiten: Entweder „Tante" ODER „Onkel". Semantische Komplementarität ist häufiger bei Nomen zu finden. Gegensätzliche Geschlechtsspezifische Wortpaare sind hier ein gutes Beispiel um es dir zu verdeutlichen: Frau - Mann, Lehrer - Lehrerin, Ärztin - Arzt.
Aber auch Adjektive fallen unter die semantische Komplementarität (gerade - ungerade, kompatibel - inkompatibel, usw.).

Heteronymie

Heteronymie tritt bei Nomen, Verben und Adjektiven auf. Grundlegend solltest du wissen, dass es bei der Heteronymie um die semantische Beziehung zwischen verschiedenen Hyponymen des gleichen Hyperonyms geht. So sind Heteronyme verschiedene Lexeme einer gemeinsamen Kategorie, die gleichwertige Alternativen darstellen.
Typische Beispiele sind Wochentage, Zahlen oder Farben. (Montag-Donnerstag; blau-gelb) Aber nicht nur Nomen und Adjektive können heteronym sein sondern auch bestimmte Verben. Verben der Fortbewegung (rennen, springen, schwimmen), Verben des Sprechens (sprechen, schreien, rufen) oder auch Aktivitätsverben (arbeiten, tanzen, essen) sind hier typischerweise zu benennen.

Konversität

Die Konversität ist eine weitere Form der Opposition. Du erkennst sie dann, wenn aus der Betrachtungsweise verschiedener Standpunkte zwei Begriffe dieselbe semantische Relation aufweisen. Begriffe sind also konvers zueinander, wenn sie die gleiche Beziehunge mit vertauschten Rollen ausdrücken. Konversität kann in Form von Nomen, Adjektiven und Verben auftreten. Deutlich wird dies an dem Beispiel Elternteil - Kind. Das Verwandschaftsverhähltnis bleibt das gleiche, wenn die Begriffe vertauscht werden. Weitere Beispiele sind vor - nach, Unterbegriff - Oberbegriff, verleihen - sich leihen, usw.

Wortfelder

Ein Wortfeld, welches aus einer Gruppe von Lexemen besteht, muss bestimmte Merkmale aufweisen.
So müssen die Lexeme ein und derselben grammatischen Kategorie angehören, ihre Bedeutungen sollten gemeinsame Bestandteile vorweisen, sowie eine klar definierte Bedeutungsbeziehung zueinander haben. Die Wortfelder können in zwei Unterkategorien eingeteilt werden: Zum einen in die Taxonomie und zum anderen in die Meronymie.
Taxonomien beschreiben eine Gruppe von Ausdrücken, die hierarchisch strukturiert ist. Die Beziehung zwischen Ober- und Unterbegriff entspricht die der Hyponymie, die bereits weiter oben vorgestellt wurde.
Meronymien weisen eine ähnliche Hierarchie auf, allerdings beruhen sie auf einer Teil-Ganzes-Beziehung. Der Oberbegriff wird als Holonym und Unterbegriff als Meronym bezeichnet. Das Holonym besteht also aus seinen Meronymen. Beispielsweise ist Computer das Holonym zu den Meronymen Prozessor, Grafikkarte, Arbeitsspeicher, etc.

Literatur: Sebastian Löbner (2003): Semantik. Eine Einführung, Berlin/New York: de Gruyter.

 

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